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Hegering Extertal

Jägerlatein

Hier wollen wir Reiseberichte, Anekdoten und andere Berichte einstellen, die unsere „Aktuelles“ Seite etwas überfrachten würden.

Aktualisiert: 24.05.24


Longrange in Dänemark

Es begann wie so vieles mit einer Jagdeinladung und dem anschließenden Schüsseltreiben. Das Ergebnis: Eine Einladung an den Hegering mit einer Abordnung zum Longrange schießen nach Dänemark zu kommen. 

Also nix wie hin ins „Skyttecenter Ulfborg”.

“Peter”, unser Gastgeber, hatte auch ein Ferienhaus als Unterkunft organisiert. Der Wetterbericht sah vielversprechend aus. Die Rahmenbedingungen waren also perfekt.

Auf der Anreise wurde noch in einem der vielen Jagd- und Outdoorcenter Dänemarks halt gemacht. 

Preislich lässt sich zwar kein echter Schnappo machen, aber neben einigen bei uns ungewöhnlichen Marken zeichnen sich die dortigen Shops durch eine höhere Bandbreite an Größen aus. Auch Markenklamotten gibt es nicht selten bis 8XL. Das gibts bei uns nicht für Geld, gute Worte oder im Netz.

Mit nun erweitertem Urlaubsgepäck trudelten die Teilnehmer dann am Ferienhaus ein.

Der erste Abend klang schließlich wie so oft bei Jägern mit Grillgut, Kaltgetränken und netten Gesprächen in fröhlicher Runde aus.

Nach einer für manche in Teilen unruhigen Nacht (Gruppenunterkünfte bergen Gefahren) ging es am nächsten Tag auf dem Stand erst mittags los. 

Blieb also noch Zeit für Einkäufe und einen Trip zur nahen Nordsee. Neben viel gleichförmiger “Gegend” konnte hier eine junge Kreuzotter aus dem Wasser gerettet werden, und der Teckel stöberte ein Strandläuferküken auf. Der “plüschige flitzende Stein” sorgte aber nur für Verwunderung, nicht für Beuteverhalten.

Der erste Tag auf dem Schießstand stand im Zeichen der Vorbereitung. Schon im Vorfeld sollten die Teilnehmer die Dralllänge ihrer Gewehre und den Abstand zwischen Visierlinie und Laufseele bestimmen. Nun wurde die Munition in Augenschein  genommen.

Ein hochmodernes Doppler Radar bestimmte nach 5 Schüssen nicht nur die Durchschnittsgeschwindigkeit, sondern auch den ballistischen Koeffizienten der verwendeten Munition. Die 308 FMJs des Autors aus tschechischer Produktion lagen trotz kurzem Lauf lediglich 8fps unter der Herstellerangabe. Günstig bedeutet wohl doch nicht gleich billig.

Mit allen Daten begann nun der Kampf gegen die Technik. Mit freundlicher Unterstützung unserer Gastgeber gelang es aber allen, ihre Daten in die (kostenlose) Lapua App zu übertragen. Auch ob die Zieloptik mit MOA, cm oder gar 1/2cm arbeitet, sollte man wissen. Hat man alles Daten zusammen und gespeichert muss man nur noch die angestrebte Schussdistanz eintragen, per Knopfdruck die Wetterdaten des Standorts aktualisieren und Zack… bekommt man die Klicks für Höhen- und Seitenverstellung ausgehend von 100m Fleckschuss grafisch hübsch präsentiert.

So endete der erste Tag nach “nur” 2h auf dem Stand. 

Am Abend wurde nach einem weiteren Strandtrip dann gemeinsam Video geschaut. Die einzige Teilnehmerin macht neben ihrem Studium auch die Kundenbetreuung für eine Jagdfarm in Namibia. Nach “Anfütterung” durch einen ebenfalls anwesenden zufriedenen Kunden waren auch die übrigen Teilnehmer begierig darauf, sich die Videos eines bekannten Jagdinfluencers anzuschauen, die dieser bei einer Reise gedreht hatte.

So endete auch dieser Abend in geselliger Runde.

Am nächsten Tag stand dann der Haupttag auf dem Schießstand an.

Nur 2 der mitgebrachten Waffen wichen von den “Vorschlägen” der App etwas ab. Bei der Waffe des Autors wird dies wohl daran gelegen haben, dass der heiße Lauf leicht am Schaft anlag. Im Jagdbetrieb zu vernachlässigen, macht sich so etwas bei 100 Schuss und Distanzen bis 540m dann doch bemerkbar.

Auch der Herzschlag des Schützen ist sonst nur in Sagen über Scharfschützen relevant. Wenn aber das anvisierte Ziel plötzlich durch Systole und Diastole immer wieder aus dem Fadenkreuz gerät, ist auch der Leihe gehalten, möglichst zwischen den Herzschlägen zu schießen.

Kalibertechnisch waren von 308 bis 338 diverse Vertreter zugegen. Wobei das Kaliber tatsächlich der Präzision bei solch “kurzen” Schüssen unter 600m noch keinen messbaren Abbruch tat. Spürbar wurde der Unterschied jedoch darin, dass gewisse Kaliber den Gong beinahe zuverlässig vom Haken schmeißen. Hierdurch mussten die Gastgeber einige Male mit dem Auto los, um die Ziele wieder aufzuhängen.

Jeder Teilnehmer konnte individuell seine Fertigkeiten an verschiedenen Distanzen und auch verschiedenen Anschlagsarten testen. Bevorzugten die Meisten den Liegendanschlag, bewies ein Weidmann, dass man auch vom Zielstock auf 540m schießen und treffen kann. zugegebenermaßen auf ein recht großes Ziel, aber getroffen ist getroffen.

So endete Tag 2 auf der Schießbahn und somit das Seminar am späten Nachmittag mit der Gewissheit aller, wirklich etwas dazugelernt zu haben. 

Nach Übergabe des Ferienhauses und laaanger Rückreise erreichten alle Teilnehmer schließlich erschöpft und zufrieden das heimische Bett. Wenn auch teilweise erst nach 3 Uhr nachts.

Das Fazit: 

Mit kundiger Anleitung ist “Longrange” auch mit “normaler” Ausrüstung kein Hexenwerk. Entsprechende Kaliber und Ausrüstung machen jedoch das Leben leichter und noch weitere Distanzen möglich.

Der jagdliche Nutzen: Jeder Teilnehmer war sich dessen bewusst, dass es zwar technisch möglich ist, über lange Distanzen präzise zu schießen, da man aber jagdlich keine zweite Chance für einen waidgerechten Schuss hat, wird keiner der Teilnehmer Experimente wagen. 

Letztlich bringt einen jedoch grundsätzlich jedes Training voran und vertieft Vertrauen und Wissen in und um die eigene Ausrüstung.

Der Hegering Extertal wird auch zukünftig gern gesehener Gast in Dänemark sein. 

…und beim liegend schießen sollte man sich auch die Kniekehlen mit Sonnencreme einschmieren…

300 WinMag ohne Schalldämpfer, Mündungsbremse oder weiche Schaftkappe…

sorgt beim Einen für Spontantourette

beim Anderen für ein Muster auf der Schulter

Raue Schießmatten X Schotter + Rückstoß = ???


Kleine grüne Männchen in der verbotenen Stadt

Für die Einen ist es das gelobte Land, und die Strobelallee der Weg in ein gelb angestrichenes Nirvana, für die Anderen verhasstes Feindesland einer Stadt die nicht genannt werden darf.
Doch diese tumbe Volksbelustigung ist es nicht, die jedes Frühjahr Scharen kleiner grüner Männchen zu den Westfalenhallen zieht. Es ist Zeit für die “Jagd & Hund” in Dortmund. Eine von Europas größten Jagdmessen mit inzwischen fest angeschlossenem “Wild Food Festival”.

Eine kleine und leider im Vorfeld arg geschrumpfte Abordnung aus Lippe zog es auch in diesem Jahr dorthin.

So weit, so gewöhnlich.

Doch was gibt es neues am Markt? Werden Innovationen der Weltöffentlichkeit präsentiert, oder ist nur wieder der alte Zirkus in der Stadt!?

Nun, beides.

Das Foodfestival sei hier nur am Rande erwähnt: Regionale Anbieter präsentieren im Markthallencharakter ihre oft mit Liebe ersonnenen hochwertigen Produkte, eine Showküche sorgt beim geneigten Publikum für Kurzweil zwischen den Snacks und ein Pfannenverkäufer betont, dass man bei seinem Produkt auch wirklich kein Fett fürs Spiegelei braucht!

Doch zu den heiligen Hallen: Es fällt auf, dass weniger kleine Händler zugegen sind.
Eine Halle wird fast komplett zum Verkaufsraum nur eines Anbieters aus der Jagdwelt. Flankiert von einem -auch hier etwas kleiner als zuvor ausfallendem- “Meet and Greet / Networking-Bereich” für alle, die es vor und Hinter eine Kamera zieht, in der Hoffnung durch Jagen und Produktplacement nie wieder etwas anderes machen zu müssen.

Zwei Brüder, die genau das geschafft haben, waren auch gerade vor Ort, so dass ein Mitglied unserer Reisegesellschaft nun eine handsignierte Drückjagdkappe mit persönlicher Widmung heimtragen konnte. Allerdings eine Kappe vom Munitionssponsor und keine aus der eigenen Kollektion des Jagdfilmportals der bekanten Brüder (über 25€).

An den Ständen der verschiedenen Jagdhunderassen wurde der Autor (selbst noch ohne Jagdhund aber glücklicher Besitzer eines alternden Bullmastiffs) freundlich empfangen.
Am Stand der Pudelpointer gab es nicht nur praktischen und vernünftigen Rat für Erstlingsführer sondern auch die intensive Zuneigung von 4 mehr oder minder zotteligen Aushängeschildern ihrer Rasse.
Zum Glück ist der “Dicke” des Autors noch gesund, und die Entscheidung für einen neuen vierbeinigen Begleiter liegt in unbestimmer Zukunft.

Genug gelungene Eigenwerbung für Pudelpointer haben Standbetreuer und Vierläufer auf jeden Fall gemacht.


Zu den Neuerungen auf der Messe:

Eine kleine Waffenschmiede aus dem Süden des Landes präsentiert ein neues Jagdgewehr. Voll ausgestattet mit durchdachtem Wechsellaufsystem, auf Wunsch mit integriertem Schalldämpfer ist das Auffälligste der generelle Aufbau:“Bullpub” sprich: Auswurf und Magazin befinden sich HINTER dem Abzug, quasi da wo früher nur der Gewehrkolben zu finden war.
Das Ergebnis ist ein deutlich kompakteres Repetiersystem.
Die hochwertigen Materialien machen sich allerdings beim Gewicht deutlich bemerkbar. Hier hat laut eigenen Aussagen der Konstrukteur der Wertigkeit den Vorrang gegeben, was ein Gewicht ohne Glas von 4 Kilo bedeutet. Der Mitarbeiter der uns die Waffe präsentierte, führte auch gleichzeitig einen Tragerucksack mit Waffenfach vor und beteuerte, die gesamte Messe mit seiner eigenen Waffe von über 8 Kilo unterwegs zu sein. Er geriet im Laufe der Präsentation so sehr ins schwärmen, dass man schon eine gewisse Verliebtheit unterstellen konnte.
Es folgte eine Einladung zum unverbindlichen Probeschießen am Firmenstandort. Danach so wurde versichert, würde der Rest von selbst passieren.


Eine weitere Innovation, die erste eigene Waffe am Markt, die erst am Februar im Handel sein wird, kommt von einer Firma, die sonst wiederholgenaue Wechselschienen für Optiken herstellt.

Zur Präsentation des neuen Gerätes bedient man sich einem bewährten Prinzip aus St.Pauli! Der Messestand ist mit 4m hohem Sichtschutz umgeben, am Eingang steht ein Anwerber, der versucht, potentielle Kunden in den Laden zu locken. Nach etwas Wartezeit im Vorraum, geht es dann in den Hauptraum. Auf vier Podesten wird das Objekt der Begierde zur Schau gestellt.
Ein bisschen anfassen ist auch erlaubt!
Ein Gradezugrepetierer mit Handspanner im Handballen. Das Magazin ist in Griff und Abzugseinheit integriert und lässt sich herunterklappen.
Ein wenig “taktisch” sieht das gute Stück schon aus, aber die Leistung zählt.

Wen jetzt die Lust gepackt hat, der kann in zwei abgedunkelten Separées eine Privatvorstellung genießen.

Zwei Schießkinos erwarten die Besucher hier, um einen ersten Eindruck zu gewinnen.

Mit einer kleinen Tüte mit Geschenken des Hauses verlässt man danach das Etablissement diskret durch die Hintertür.


Weiter geht der Marsch vorbei an altbekannten Ständen. Wer öfters hier war, dem genügt teilweise nur ein kurzer Blick, ob es etwas neues gibt.

Schließlich landet man unweigerlich an der viel diskutierten

Halle 7!

Der Halle mit den Jagdreiseanbietern.
Wollten Teile des Stadtrates diese Halle gänzlich verbieten, hat sie sich doch gehalten.

Im Zuge dessen viel auch auf, dass vor keinem der Eingänge zur Messe Mitglieder von “Peta” zu finden waren, und die Frage kam auf, ob diese nur keine Zeit hatten, oder sich aufgrund der Argumente der Jägerschaft im allgemeinen auf andere Bereiche des Tierschutzes verlegt haben.

In der Halle zeigte sich das gewohnte Bild beeindruckender und teilweise auch exotischer Präparate an den Ständen von Jagdanbietern aus fast aller Welt.
Besonders beeindruckend für den Autor war ein Schulterpräparat eines kapitalen Elchs.

Am Stand kam die Sprache -auch durch eine erst am Montag vor der Messe in der ARD ausgestrahlten Reportage- natürlich auch auf Sinn und Nachhaltigkeit der Trophäenjagd.
Erwartungsgemäß überwogen hier die Pro-Argumente.

Letztendlich muss sich jeder selber aus verschiedenen Quellen ein Bild machen, aber eine Jagdfarm, auf deren über 10.00ha Fläche nicht mehr die Rinder der Großelterngeneration, sondern die Artenvielfalt Afrikas zur Hege und nachhaltigen Nutzung steht, ist argumentativ nur schwer zu schlagen.

20min vor Messeschluß hatte unsere kleine Reisegruppe schließlich das Gefühl, alles gesehen zu haben.

Auf dem Rückweg wurde die Frage erörtert, ob es sich gelohnt hat oder nicht.

Gerade das Verschwinden der kleineren Stände und das größer werden von “Supermärkten” ist durchaus kritisch zu sehen. Schwindende Besucherzahlen würden diesen Trend aber sicher nur verstärken.

Letztlich ist ein Besuch auf der Jagd&Hund doch irgendwie auch etwas, was Jäger durchaus schätzen: Tradition.


Bläsertreffen des LJV Brandenburg

Am 02.09.23 hatte der Landesjagdverband Brandenburg zum Bläsertreffen auf Burg Beeskow geladen. Aufgrund mehrerer Jagdfreundschaften in dieser Region ein Grund um mit einer kleinen Abordnung des Hegerings die Veranstaltung zu besuchen und Freundschaften zu pflegen.

Nach einigen Verhinderungen stellten sich letztlich 11 Bläsergruppen aus Brandenburg mit ihrem Können auf der Bühne vor. Vom kleinen Ensemble mit Fürst-Pless-Hörnern und ein oder zwei Parforcehörnern bis hin zu großen Gruppen in denen sich zusätzlich noch Ventilhörner verschiedener Stimmlagen tummelten war alles vertreten.

Im Rahmenprogramm fanden sich u.A. Falkner, Imker, eine künstliche Kuh für Melkversuche, Vogelhäuschen bauen, die mobile Waldschule, eine bekannte Hornmanufaktur und ein großer Anbieter für Jagdbedarf aller Art, der in Deutschland flächendeckend agiert.

Abwechslung im Musikprogramm brachte unter anderem der Vortrag einer führenden Hornmanufaktur über die Entwicklungsgeschichte des Jagdhorns. Der zahlenträchtige Vortrag reichte von der Frühsteinzeit über die Bronzezeit und „Zorg den Barbaren“ bis in die Neuzeit und wurde durch Klangbeispiele etwas aufgelockert.

Bei guter Laune, Sonne und Kaltgetränken ließ es sich vortrefflich fachsimpeln.

Fund in der örtlichen Folterkammer:
Replik einer orthopädischen Scherenleiter…vermutlich…

Ein weiteres Besucherhighlight war die Präsentation verschiedener Jagdhunderassen. Ein Vierbeiner entschied hierbei, dass sich Trieb und Wartezeit nicht in Einklang bringen lassen und beschloss aus der Halsung zu schlüpfen und jedem anwesenden Artgenossen kläffend seine Aufwartung zu machen wie der tasmanische Teufel aus den Bugs Bunny Clips.

Verfeinert wurde dieses Bild durch den Hundeführer, dessen Versuch der Nacheile einige Zeit an der Agilität seines Jagdhelfers scheiterte, aber erstklassiger Slapstick war.

Den humorigen Abschluss der wilden Jagd setzte der Moderator mit der Feststellung: „Damit ist über den deutschen Jagdterrier eigentlich alles gesagt!“

Bei der Präsentation der Rasse: „Deutsch Drahthaar“ kam es teilweise zu Begeisterungsstürmen der angereisten Zuschauerschar (offensichtlich selbst Halter dieser Rasse).

Diese Begeisterung wurde noch einmal gesteigert, als der Moderator Teckel und Deutsch Drahthaar gemeinsam auf die Bühne bat und diese Kombination als das Ideal verkündete.

Den Abschluss der Veranstaltung machte ein gemeinsamer Auftritt aller noch am Platz verbliebenen Bläser.
Durch den Hall des umgebenden Burghof mussten die Mikrophone der aufnehmenden Mobiltelefone die Waffen strecken.
Ist die Technik doch so weit, ein gestandenes Metalkonzert ohne Tonverlust auf zu nehmen, gegen etwa 30 Jagdhörner kommt sie nicht an.

Den Abend ließen die Reisenden aus Lippe dann bei Freunden, Grillgut und Kaltgetränken ausklingen.
Natürlich kamen hierbei die örtlichen Probleme zur Sprache.
Die Aussicht mit einer größer werdenden Wolfspopulation und gleichzeitig einem planmäßig noch mindestens 3 Jahre stehenden ASP-Zaun leben zu müssen lässt wohl kein Jägerherz höher schlagen. Kann das Rotwild (und auch Isegrim) den Zaun zwar überwinden, so wird das Rehwild -und wie vom Erbauer beabsichtigt auch die Sauen- in seinen Wanderbewegungen massiv eingeschränkt.

Offenbar findet in der Region auch ein Umdenken bei der Vergabe von Pachten statt.
Kam es doch in der Vergangenheit häufig vor, dass Jäger aus den alten Bundesländern und dem nahen Ausland Reviere im östlichen Teil Deutschlands pachteten, so verzichtet man inzwischen bei der Neuvergabe offenbar immer häufiger auf mögliche höhere Pachteinnahmen um die Reviere in lokale Hände zu geben.
Der „Wochenendjäger“ ist halt bei Wildschäden und Hege nicht so flexibel, und der Ansprechpartner vor Ort ist den Entscheidungsträgern inzwischen durchaus eine halbe Pacht wert.

Die eher unschönen Anekdoten, welche Ideen eine Jagdbehörde entwickeln kann, um die ASP ein zu dämmen sollen hier nicht in Gänze erörtert werden, aber die ausdrückliche Anweisung im April gezielt Bachen zu schießen war wohl nicht die Spitze des Eisbergs.

Bei der fast schon obligatorisch zu nennenden Fahrt durchs Revier wurde den Gästen dann noch einmal die Weite der Landschaft bewusst.
Reviergrößen deutlich über 1000ha, Maisfelder bis zum Horizont, unterbrochen von Remisen, Wäldern, der Spree und …dem ASP Zaun… lassen das Jägerherz höher schlagen. (mit kleinen Aussetzern)

Auf dem Rückweg ins heimische Extertal war man sich dann über verschiedenes einig:

  1. Schön wars!

  2. wir kommen wieder!

  3. Das ist leider echt ne ganz schön weite Strecke

Keine Einigung konnte hingegen bei der Frage erzielt werden, ob die Klimaanlage im Auto jetzt an oder aus bleibt!


„Keilernadel ’23“ Erfahrungsbericht

Beim Stöbern in den neuen Medien fiel der Blick auf eine besondere Trainingsmöglichkeit.

Natürlich wollen wir keine Werbung machen, und nennen darum keine Namen!

Seit etwas über einem Jahr gibt es eine neue Variante des Schießkinotrainings.

Da den Erfindern der Laufende Keiler zu statisch und ein Schießkinobesuch ohne Trefferzählung zu einfach erschien, entwickelte eine (natürlich hier nicht genannte) deutsche Jagdzeitung eine neue Schießabnahme: Die „Wild&Hund Keilernadel“.

Das Prinzip ist einfach, hat es aber in sich, da ein bisschen künstlicher Druck aufgebaut wird.

In drei aufeinander folgenden Videosequenzen muss der Schütze jeweils 3 Sauen mit Kammertreffer erlegen. Trifft er eine Sau nicht richtig, kann er noch einmal „nachschießen“. d.h. die selbe Sau noch einmal beschießen, dann aber erfolgreich.

Erfüllt der Schütze diese Aufgabe in einer der Sequenzen nicht, kann er den Durchgang nochmal mit Video 1 neu beginnen.
In jedem Jahr gibt es dann drei neue Videos.

Die Lizenzen zur Nutzung der Videos sind natürlich nicht überall vorhanden. Vom Extertal aus muss man mindestens den Weg zum Schießzentrum Unna in Bergkamen auf sich nehmen.
Hier hat man dafür eine moderne Raumschießanlage mit allen Annehmlichkeiten zur Verfügung. Besonderes Highlight und bei intensivem Training bitter nötig: Eine Pressluftkühlanlage am Waffenständer.
Waffe in den Ständer, Schlauch ins Patronenlager, Hahn auf und zischend werden Lauf und Schalldämpfer kühl gepustet.

Also begaben sich der Autor und ein Jagdfreund zum Ort des Geschehens, um ihre Fertigkeiten beim Erwerb besagter Nadel zu prüfen.

Um Sicher zu gehen, war das Schießkino gleich für eine ganze Stunde gebucht. Bei 9 Schüssen, die man für das optimale Bestehen benötigt vielleicht etwas großzügig geplant, aber beim ersten Mal geht man ja gern auf Nummer sicher.

Zu Beginn (und Ende) des Schießens erfolgt eine Begehung bzgl. Löchern in Boden, Decke und Wänden. Die kosten nämlich einiges wenn man solche verursacht.

Eine halbe Stunde hat es dann tatsächlich gedauert bis zwei Schützen die Nadel erfolgreich bestanden haben.
…OHNE mehrfache Neustarts des Sequenzen!

Für uns hieß es danach: „Feuer Frei“ und die nette Schießstandaufsicht kramte verschiedene Videosequenzen hervor, die teilweise echte Herausforderungen darstellten. Der eine oder andere Keulentreffer war nicht zu vermeiden. Im echten Leben hätte man den Finger definitiv gerade gelassen, aber im Schonraum (eigene) Grenzen zu erkennen, ist ja auch der Sinn eines Schießkinos.

Den 14ender der mit Kahlwild durch einen Bachlauf zieht kann man hier erlegen ohne einen Kredit auf der Bank und die damit verbundene Vergebung des Ehepartners zu benötigen.


Tipp: Schalldämpfer gleich ab lassen! Die brüllheiße Flüstertüte im Schießbetrieb vom Gewinde zu bekommen ist kein Vergnügen und bei den 30m bis zur Videowand ist die Verschiebung des Treffpunktes nicht entscheidend zu spüren!

Es bleibt die Erkenntnis: Die „Wild&Hund Keilernadel“ zeichnet einen nicht als Meisterschützen aus, weist ihre Träger allerdings als Schützen aus, die über das Trainingsminimum hinausgehen.
Kombiniert mit einem kleinen „Jagdsausflug mit Freunden“ sollte man solch eine Trainingsmöglichkeit durchaus in den jährlichen Ablauf integrieren.


Rotpunktseminar

Ein bekannter Onlinehandel hatte zum Rotpunktseminar geladen. Um keine direkte Werbung zu machen: Es war ein bekanntes Unternehmen aus der Jagdwelt.

Promoted werden sollten die Produkte eines Marktführers für Rotpunktvisiere aus Schweden.

Doch wer nun an eine Kaffefahrt denkt, der irrt.

Zwar war der Seminarstart im sonnigen Dissen bei Osnabrück etwas holperig, eine falsche Adresse in der Einladung führte selbst das Veranstalterteam in die Irre, nach den ersten Wirren nahm die Veranstaltung jedoch Fahrt auf.

Vortragsraum? Powerpoint? Bestelllisten?

Weit gefehlt! Die Produktpalette sollte offensichtlich für sich sprechen.

Die Teilnehmer wurden nur kurzerhand in zwei Gruppen geteilt und schon ging es los zu Kugel und Schrot.

Das ein Rotpunktvisier auf den laufenden Keiler eine tolle Sache ist und man mit offenen Augen nach kürzester Eingewöhnung mindestens 8er Ringe schießt wird wohl keinen überraschen.

Seltener sieht man solch eine Visierung jedoch auf der Flinte.

So war die spannende Frage nicht nur: Wie gut sind die eigenen Fähigkeiten an der Wurftaube? Zumal mit fremden Waffen!?

Sondern: Ist ein Rotpunkt beim Schrotschuss sinnvoll? Trifft man plötzlich nicht mehr? Oder gar plötzlich alles!?

Grundsätzlich ließ sich feststellen: Das Visier macht einen nicht sofort zum Meisterschützen. AAAAber durch die Paralaxefreiheit eines Rotpunktvisieres kann man Schlamperei beim Anschlag kompensieren!
Egal wie schief der Kolben an der Schulter sitzt: Wo der Punkt ist, da fliegt auch das Schrot.

Vorhaltemaße Verändern sich nicht, aber der Punkt hilft einem dabei, Höhe und Abstand zu präzisieren.

Auch die Frage: „Aufgesetzt oder Abgedeckt?“ wird so unnötig. „Mittig drauf!“ ist die Antwort.

Ganz nebenbei hatte der federführende Händler aus Bielsten für Kugel und Schrot verschiedenste Schäftungen und Modelle im Gepäck, so dass man auch gleich bei der Waffenwahl experimentieren konnte.

Ob ein Rotpunktvisier auf einer Flinte etwas zu suchen hat mag an langen Stammtischabenden nicht abschließend behandelt werden können.

Der Tip des Autors auch an die Puristen: Ein Versuch schadet nicht!

Sicherlich leidet die Optik so manch gravierter Edelwaffe unter dem „schwarzen Reiter“ mittig am Lauf, aber frei nach Franck Ribery: „Schönheit trifft nicht besser!“

Und so verließen am Ende der Veranstaltung alle Teilnehmer den Platz mit dem guten Gefühl, sich mit Kugel und Schrot wieder etwas verbessert zuhaben. Der eine oder andere Weihnachtswunsch wird sicher auch entstanden sein.